Wenn Schwächen zu Stärken werden

Liebe Leserin und lieber Leser,

als Existenzgründer in die Selbstständigkeit zu starten, kann ganz schön frustrierend sein. Alles scheint begrenzt zu sein. Die eigenen Fähigkeiten, die finanziellen Ressourcen, die eigene Energie und der erhoffte rasche Erfolg gleicht eher einem zähen Ringen, denn einem flotten Vorankommen.

Und dann gibt es auch noch die Konkurrenz. Die ist in den meisten Fällen schon seit Jahren oder Jahrzehnten etabliert und erscheint einem übermächtig. Großkonzerne mit Tausenden von Mitarbeitern, gigantischen Gewinnen und scheinbar unbegrenzten Ressourcen. Wenn man selbst doch nur einen Bruchteil dieser Möglichkeiten hätte. Im Vergleich dazu besitzt man lediglich Brotkrumen. Was soll man damit auch schon bewirken können?

Eine ganze Menge. Gerade das Fehlen von Möglichkeiten und das Vorhandensein von Schwächen stellt eine enorme Stärke für jeden Existenzgründer dar. Wer bestimmt, ob deine Schwächen ein enormer Vorteil oder ein grauenvoller Nachteil sind? Du – mit deiner Wahrnehmung. Denn in deinen Schwächen steckt auch immer ein ganz besonderes Potenzial. Ein paar Beispiele gefällig?

Keine Zeit, wenig Geld und Energie?

Du hast Zeitmangel?
Also musst du rasch in die Pötte kommen.

Du hast keine großen finanziellen Ressourcen?
Also musst du innovativ denken und handeln.

Deine Energie ist begrenzt?
Also musst du in kurzer Zeit möglichst viel Geld verdienen.

Du hast den Druck möglichst viel Geld zu verdienen?
Also musst du alle Geschäftstätigkeiten ausschließen, die dir viel Arbeit, aber wenig Verdienst bescheren.

Du kannst nicht alles selbst machen?
Also lässt du alles weg, was nicht absolut relevant ist.

Du hast keine aufwändige PR-Abteilung und kein gigantisches Marketing?
Also konzentrierst du dich auf die gezielte Kunden-Akquise anstatt breit zu streuen.

Schneller Hase, schlauer Igel

Jede Schwäche kann eine Stärke sein. Das Umgekehrte gilt natürlich auch. Jede Stärke kann eine unglaubliche Schwäche darstellen. Ein schönes Beispiel dafür ist das Märchen „Der Hase und der Igel“, das die Gebrüder Grimm 1843 erstmals in ihre berühmte Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ aufgenommen haben.

Du hast die Geschichte mit Sicherheit schon einmal gehört. Igel und Hase begegnen sich zufällig auf dem Feld. Während sich der Hase mit seinen Läufen rasch und elegant über den Acker bewegen kann, kommt der Igel mit seinen kurzen Beinen nur langsam voran. Beim Anblick des Igels macht sich der Hase über dessen schiefe Beine lustig.

Wie reagiert der Igel? Er schlägt dem Hasen kurzerhand ein Wettrennen vor. Der Wetteinsatz ist schnell festgelegt: Ein Louis d’or, das ist eine französische Goldmünze mit einem heutigen Gegenwert von rund 200 Euro, plus einer Pulle Branntwein für den Sieger. Anscheinend haben die Feld- und Wiesentiere des 19. Jahrhunderts gerne mal einen gepichelt.

Der Hase schlägt ein und schon beginnt das Wettrennen die Ackerfurche entlang bis zum Ende des Felds. Der Igel läuft ein paar Schritte, bleibt dann aber stehen, während der Hase in enormem Tempo davon sprintet. Am Ende des Ackers wartet bereits die Frau des Igels, die ihrem Mann zum Verwechseln ähnlich sieht. Kaum nähert sich der Hase, ruft sie: „Ich bin schon hier!“. Der Hase kann nicht glauben, dass er verloren hat. Er fordert eine Revanche. Und noch eine. Und noch eine. Und noch eine. Jedes Mal verliert der Hase.

Beim 74-ten Rennen schließlich bricht er tot zusammen.

Flexibel denken statt tot umfallen

Obwohl es sich um ein Märchen handelt, bietet die Geschichte doch viele spannende Aspekte. Der Igel kennt seine Stärken (gleiches Aussehen) und seine Schwächen (kurze Beine). Deshalb versucht er erst gar nicht, so schnell wie der Hase zu laufen, sondern wendet eine List an.

Der Hase dagegen konzentriert sich nur auf seine Stärke: Rennen, rennen, rennen. Er hält nicht inne und analysiert und bewertet den zwischenzeitlichen Erfolg seiner Anstrengungen, um seine Taktik anzupassen, sondern er gibt immer mehr Gas. Bis zum finalen Bunny-Burnout. Okay, nicht das originellste Wortspiel, aber die Idee sollte klar sein. 🙂

Seine vermeintliche Stärke und haushohe Überlegenheit wird für den Hasen zu einer Schwäche, die ihn am Ende alles kostet. Er unterschätzt den Igel gnadenlos, weil er sich nur auf einen Aspekt, das Laufen, fixiert.

Ähnliches gilt auch im Business-Kontext. Je größer ein Unternehmen ist, desto unflexibler wird es. „Das haben wir schon immer so gemacht. Das geht nicht. Warum sollen wir es ändern?“ etc. Flexibles Denken dagegen ist die große Chance eines jeden Existenzgründers. Er kann verschiedene Perspektiven einnehmen. Er kann sich mit den Argumenten auseinandersetzen, die für den Erfolg seines Geschäftsmodells sprechen, er kann sich mit den Punkten beschäftigen, die gegen einen Erfolg sprechen. Er kann seine Perspektive rasch verändern und er kann flexibel und schnell reagieren. Ohne eine Hierarchie oder Entscheidungsabläufe berücksichtigen zu müssen. Statt ständig die Ackerfurche entlangzulaufen oder mit dem Kopf gegen die Mauer zu rennen, kann er nach alternativen Lösungsmöglichkeiten suchen und diese sofort ausprobieren. Dass er klein ist, ist sein großer Vorteil gegenüber den Großen.

Verändere den Ansatz und probiere es aus

Das Einzige, was man als Selbstständiger und Existenzgründer unbedingt vermeiden sollte, sind Panik und aktionistisches Handeln. Es gibt immer einen Ansatz, um eine Situation und ein Geschäftsmodell anzupassen. Folgende Ansätze haben mir teilweise enorm geholfen, um Ideen und Abläufe effizienter und effektiver zu gestalten, wenn es mal nicht so gut wie erhofft gelaufen ist.

Ersetzen – Etwas Bestehendes durch etwas anderes, durch etwas Neues ersetzen. Sei es eine Handlung, ein Ort, ein Zeitpunkt, eine Person.

Kombinieren – Verschiedene Komponenten, Ideen, Materialien miteinander kombinieren.

Anpassen – Etwas an eine Situation anpassen, auf Bedürfnisse zuschneiden, die Form passend gestalten.

Verändern – Es in seiner Beschaffenheit und Qualität verändern, es größer machen, es kleiner machen, die Qualität steigern oder vermindern.

Neuartig verwenden – Dinge anders verwenden und einsetzen als sie ursprünglich vorgesehen waren.

Neu anordnen – Die Reihenfolge oder den Ablauf verändern. Ein anderes Muster, Layout oder einen anderen Plan verwenden, es neu verteilen oder umordnen.

Umkehren – Das Gegenteil ausprobieren. Etwas andersherum ausprobieren.

Weglassen – Etwas entfernen, vereinfachen, herausnehmen.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spaß beim flexiblen Denken sowie beim Ausprobieren und Tüfteln. Denn deine Schwächen und Nachteile kannst du auch immer zu deinem Vorteil nutzen. Damit das, was dich klein sein lässt, dich wirklich groß macht.

Du brauchst Ideen, Anregungen oder hast das Gefühl, dass du mit deiner Geschäftsidee feststeckst? Dann informiere dich doch gleich mal über die tollen Möglichkeiten der Brainstorming-Hypnose. Alle Infos findet du hier: http://www.baars-hypnose.de/

Du kannst mich auch gerne anrufen unter Telefon 0951/433 29.

Viele Grüße und eine gute Zeit
Dein Volker

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